Golf und Gourmet: Von Kapstadt bis Knysna

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Nirgends kann man Golfen besser mit gastronomischen Genüssen verbinden als an der Gardenroute in Südafrika. Dies zu äusserst vernünftigen Preisen und vor allem mit immer fröhlichen Menschen. 

Südafrika ist für Golf-Touristen ein Traum. Fast alle traditionellen Clubs verfügen über Caddies, die einem die Tasche schleppen und dazu gute Tipps geben. Viele moderne Clubs vermieten Carts mit GPS, und überall sind die Menschen stets gut gelaunt und freundlich. Das gilt für den Caddie-Master, der einem schon vor der Runde die Schläger putzt, bis hin zu den professionellen Startern, die uns genau sagen, ab welchem Tee wir abschlagen sollen.
Fast überall wird parallel vom Abschlag 1 und 10 gespielt, doch längere Wartezeiten entstehen deshalb nicht. Neben den üblichen Erklärungen punkto Spieltempo heisst es immer wieder: “Wichtig ist die obligatorische Pause nach neun Löchern”, erklärt beispielsweise der Starter im Golfclub de Zalze. Viele Südafrikaner trinken bei Halbzeit gern ein Bier, und die meisten bestellen sich im Clubhaus eine warme Mahlzeit. Die Touristen begnügen sich meist mit einem Sandwich, denn gut zehn Minuten später geht das Vergnügen ja weiter.
 
Beste Kombination
Das Essen ist nicht bloss während der Runde wichtig. Die Kombination von Golf, kulinarischem Genuss und einheimischem Wein ist kaum zu toppen. Kein Wunder, reisen immer mehr internationale Gäste nach Südafrika. Diverse bekannte Adressen sind schon lang vorher ausgebucht. Bei Rust en Vrede etwa, unserem Favoriten auf der ganzen Reise, mussten wir gut ein halbes Jahr im Voraus reservieren. Das lohnt sich aber auf jeden Fall, denn das Top-Lokal in Stellenbosch ist jeden Franken wert. Auch wenn es fabelhaftes Essen rund um die Weinhochburg in diversen Facetten gibt, ist das „Gesamterlebnis“ Rust en Vrede schwer zu schlagen. Knapp dahinter folgt in der subjektiven Rangliste der Gourmet-Geniesser der kleinen Reisegruppe das Weingut Tokara. Hier besticht neben dem exzellenten Essen zusätzlich die traumhafte Aussicht. Klar gilt die Region um Stellenbosch als eine Art „Gourmettempel“.
Die Golfplätze gehören nicht zu den spektakulärsten des Landes, für einen gemütlichen Start in die Ferien sind sie aber ideal. 
Das gilt speziell für den Golfclub Stellenbosch oder für De Zalze, praktisch nebenan gelegen. Klar geht es auch hier mal von der 1, ein andermal von der Bahn 10 los. Der Platz ist problemlos zu Fuss zu absolvieren und bietet viel Abwechslung sowie ein paar bemerkenswerte Löcher. Ganz speziell ist etwa der Abschlag Nummer 13, denn dort liegen alle Teeboxen der Männer mitten im Wasser auf kleinen Inseln. Der Abschlag über die Lagune ist nicht sehr weit, doch landen viele Bälle nicht auf trockenem Grund. Einen echten Härtetest gibt es dann nochmals auf der drittletzten Bahn, wobei das flache Par 3 von den hinteren Boxen gut 220 Meter misst.
 
Beste Pflege
Ebenfalls ganz flach ist beispielsweise der Edelclub von Pearl Valley in der Nähe von Franschhoek. Hier hat sich Architekt Jack Nicklaus ausgetobt: Insgesamt 81 Bunker und viel Wasser prägen das Bild des „Florida Style“- Parcours. Er wird von südafrikanischen Magazinen immer wieder ganz an die Spitze der Platz-Ranglisten gesetzt. Diesen Anspruch erfüllt er neben dem spielerischen Vergnügen vor allem auch mit perfekter Pflege, dazu Service vom Feinsten. So werden unsere Schläger schon nach neun Löchern erstmals geputzt, und die Carts sind mit dem eigenen Namen angeschrieben.
Ebenfalls in die Top 3 rund um das Weingebiet Stellenbosch gehört Erinvale. Neun flache sowie neun hügelige Löcher bilden einen abwechslungsreichen Kontrast. Hier empfiehlt sich ein Cart, obwohl man den Sinn erst relativ spät erkennt. Die Aussicht auf den Backnine ist fantastisch, das Score
zusammenzuhalten dagegen schwierig.
„Zum Trost“ gibt es danach ganz in der Nähe,  im Restaurant „Blue Waters“, die besten Sushi – (auch) dank des schwachen Rands zu Preisen, die man sich hierzulande kaum vorstellen kann.
 
Bestes Golf rund um George
Nach ausgiebigem Schlemmen stehen in den folgenden Tagen die golferischen Highlights im Zentrum. Hier hat sich George an der Garden Route an die erste Stelle gesetzt. Die Stadt selber ist deutlich weniger reizvoll als Stellenbosch, doch in und um George herum locken so viele spektakuläre Golfplätze wie in kaum einer anderen Region. Bekannt ist in erster Linie das Fancourt Resort mit drei Meisterstücken aus der Hand von Südafrikas Legende Gary Player. Der edelste heisst schlicht „The Links“. Er ist ausschliesslich den Hotelgästen zugänglich. Hier lohnt es sich, ein paar Franken mehr auszugeben, auch wenn er eigentlich zu weit vom Meer weg liegt, um ein „richtiger“ Links Course zu sein. Trotzdem gilt „The Links“ laut Golf Digest als Nummer eins im Land mit fast 500 Golfplätzen.
Caddies sind hier ausnahmsweise obligatorisch, aber sie haben so viel Spass auf dem Platz, dass man selber lachen muss. „Don’t cry, ladies“, ruft Richard unseren Frauen zu, als wir im lockeren Scramble einen Superschlag meines Spielpartners beobachten. Holen die Frauen dann doch das Loch, feiern sie dies wie einen persönlichen Grosserfolg.
Deutlich einfacher ist der älteste Platz im Resort, Outeniqua, benannt nach dem gleichnamigen Berg im Hintergrund. Outeniqua ist Teil eines wunderschönen, gepflegten Gartens, teilweise umgeben von geschmackvollen Häusern. Man spielt zwischen Seerosen und Blumen, perfekt gepflegt vom Abschlag bis zum Grün. Die professionellen Caddies helfen natürlich beim Putten, so dass die Runde noch entspannter wird.
Montagu, der dritte 18-Loch-Platz im Edelresort, ist quasi eine Mischung aus gepflegtem Parkland und viel wilder Natur. Hier werden wir schon bei Loch zwei gefragt, was wir in der Halbzeit-Pause gern essen möchten. Dies aber bloss, weil die junge Frau dachte, wir gehören zur grösseren Gruppe von Schweizern, die gleich hinter uns gestartet war.
Mit dem sehr traditionellen Golfclub George, dem relativ jungen Resortplatz von Ernie Els in Oubaai und weiteren Anlagen sind die golferischen Möglichkeiten allein in George schon fast unbegrenzt.
 
Pinnacle Point ist top
Dazu kommen die absoluten Traumplätze in der nahen Umgebung. Mein persönlicher Favorit ist immer noch der erst vor elf Jahren eröffnete Pinnacle Point bei Mossel Bay, bloss 40 Minuten von George entfernt. Jede Bahn ist spektakulär, trotz immer mehr Häusern im Hintergrund bleibt das grossartige Schauspiel der Natur bestehen.
Bei unserem Besuch an einem schönen, ruhigen Sonntagmorgen ist der Platz relativ leicht zu spielen. Angesichts diverser naher Klippen sowie teilweise grosser Distanzen, die zu überwinden sind, kann das eigene Spiel bei Wind beeinträchtigt werden. Der Platz ist relativ hügelig, die Aussicht aber meist einfach grandios.
Besonders spektakulär sind im Pinnacle Point die verschiedenen Par 3, so etwa das kurze Loch sieben über die Felslöcher oder die neunte Bahn, die direkt entlang der Klippe zum Clubhaus zurückführt. Hier ist ein Cart obligatorisch und in der Greenfee bereits inbegriffen. Klar kommt es öfters zu Wartezeiten – meistens, weil die Leute nicht genug von der Szenerie fotografieren können.
 
Weitere Perlen sind nah
Auf der anderen Seite von Goerge locken nochmals zwei Spitzenplätze mit mehr oder weniger Sicht auf den Indischen Ozean: Pezula und Simola oberhalb von Knysna heissen die weiteren „Perlen“ im riesigen Angebot. Im Pezula Golf geht es gleich heftig los: Beim ersten und zugleich schwierigsten Loch muss der zweite Schlag über wilde Buschlandschaften fliegen. Danach verblüffen immer wieder die Ausblicke auf den nahen Indischen Ozean oder die Knysna Lagune – vor allem der 360-Grad-Rundblick vom neunten Grün ist toll.
Ähnlich spektakulär ist der Ausblick vom nahen Simola. Dabei blickt man schon auf Loch 2 auf ein gefühlt 150 Meter tiefer liegendes Fairway. Auch gibt es meist einen Foto-Stopp für die Touristen; im obligatorischen Cart kann man sich bequem erholen und geniessen. Einige Bahnen sind recht eng. Die Halfway-Verpflegung ist ebenfalls im Greenfee inbegriffen, danach locken die Clubhaus-Terrasse sowie eine neu gebaute Plattform mit Ausblick für die nötige Entspannung.
 
Zum Abschluss der Südafrika-Reise geht es noch nach Kapstadt. Hier ist die Auswahl an Top-Restaurants und Golfclubs nochmals riesig. Unser Favorit heisst (immer noch) Clovelly. Hier begrenzen öfters alte Bäume das Fairway, dazu kommt recht viel Wasser in allen Varianten. So oder so ist Abwechslung garantiert. Wenn wie üblich kräftiger Wind weht, wird der top gepflegte Platz nochmals deutlich anspruchsvoller. Einige Bäume sind schon ganz windschief. Trotz der strahlenden Sonne sind wir bei Halbzeit froh, uns im Halfway House kurz hinsetzen respektive stärken zu können. Die Caddies erhalten für die Pause einen separaten Zustupf von umgerechnet 3 Franken. Obwohl es streng verboten ist, verkaufen sie uns ihre gefundenen Bälle. Auch dieser Nebenverdienst ist für die professionellen Taschenträger höchst willkommen, und für uns Touristen ein passender Service. Bälle kann man in Südafrika verlieren, Kilos dagegen kaum.
 
Stefan Waldvogel

Travel Südafrika - Golf & Gourmet